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🎙️ Trauma ist keine Identität — Aussiedler, Spätaussiedler, PostOst

Unsere neue Folge ist der Auftakt einer zweiteiligen Podcast-Reihe zu transgenerationalen Traumata, Aussiedler:innen, Spätaussiedler:innen sowie hybriden und fluiden Identitäten im Spiegel des PostOst-Diskurses.

🗣️ Gemeinsam mit Katharina Blumberg-Stankiewicz und Waldemar Masson diskutieren wir, wie zivilgesellschaftliche Arbeit von vorangegangenen Generationen aufgebaut wurde und wie wir heute solidarisch handeln können, um neue Resonanzräume zu schaffen.

Oft wird die Geschichte von Spätaussiedler:innen und sogenannten Russlanddeutschen auf drei historische Marker verengt: Auswanderung, Deportation, “Rückkehr”. Jenseits dieser vereinfachenden Schlagworte beginnt die eigentliche Suche nach Identität – das Ringen um das Verständnis komplexer transgenerationaler Migrationserfahrungen und die Sehnsucht nach echten Austauschräumen auf Augenhöhe. Im Gespräch bewegen wir uns zwischen migrantischen Selbstverortungen, Mehrfachzugehörigkeiten und gesellschaftlichen Uneindeutigkeiten, die die Zivilgesellschaft zuweilen herausfordern.

💭 Wie können wir uns jenseits von technischen und historisch gewachsenen Kategorien solidarisieren?

💭 Wie funktioniert Empowerment, wenn man sich weder als „Opfer“ noch als „Vorzeige-Migrant“ labeln lassen will? Und wie finden wir neue Sprachen des Erinnerns, die über Trauerarbeit hinausgehen?

💭Können wir Migration nicht nur als problembehaftet, sondern auch als Ressource und Quelle für produktive Perspektivwechsel verstehen?

Die Aufnahme entsteht im Auftrag von Katarina Niewiedzial @integrationsbeauftragteberlin, Beauftragte des Senats von Berlin für Partizipation, Integration und Migration, und Walter Gauks @waltergauks, Ansprechperson für Deutsche aus Russland, Spätaussiedler und Vertriebene in Berlin.

Herzlichen Dank an @n_ost_org für die Studio-Kooperation

Die Gesprächspartner:innen:

Katharina Blumberg-Stankiewicz wurde 1977 in Olsztyn geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Sie hat an der Europa-Universität Viadrina Kulturwissenschaften studiert und promoviert zur „Uneindeutigkeit nach der Migration“. Sie ist Mitbegründerin der Initiative „Zwischen den Polen“, die sich für multiperspektivische Sichtweisen auf Migration und Nachbarschaft einsetzt. Aktuell kooperiert sie unter anderem mit der Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde, um die Geschichten polnischer Migrant:innen der 80er Jahre sichtbar zu machen.

Zwischen den Polen — Initiative für transnationale Zusammenarbeit und postmigrantische Perspektiven.

ZEIT Online: Polnisch-deutsche Identität – Ein Essay über Zugehörigkeit, Migration und die Frage nach Nationalität jenseits starrer Grenzen.

Ateliergespräch (Video) – Ein Einblick in den Austausch über „Wagheiten“ und die Uneindeutigkeit der Migration. Mit Darja Klingenberg, Miray Seramet und Julia Boxler.

Waldemar Masson ist Kunsthistoriker, Künstler, Pädagoge, Autor und passionierter Ahnenforscher. Er setzt sich für eine lebendige Erinnerungspraxis und moderne Vermittlung russlanddeutscher Geschichte ein. Seine Ahnenforschung eröffnete ihm seine eigene europäische Familiengeschichte, die von Frankreich bis Südtirol reicht.

Zeitzeugengespräch – Waldemar Masson im Interview über Exilerfahrungen, Familiengeschichte und Erinnerungskultur.


👁 Folgt uns auf Instagram

Die Hosts: Julia Boxler @boxxler
Ani Menua @ani_menua

Hört auch in die zweite Folge dieser Reihe rein. (LINK später einfügen)

👂 Weitere Podcast-Folgen zum Thema:

Folge 74 Ju Bavyka: Migration und Queerness narrativieren

Folge 78 Transformative Identities mit Masha Beketova & Marina Solnzewa

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Hinweis:

Dieses Transkript wurde automatisch erstellt und kann Fehler, Auslassungen oder ungenaue Formulierungen enthalten. Maßgeblich ist die gesprochene Originalaufnahme.

SPRECHERLISTE

Julia: Julia Boxler

Ani: Ani Menua

Katharina: Katharina Blumberg-Stankiewicz

Waldemar: Waldemar Masson

00:00:00 Julia:

Hallo und schön, dass ihr zuhört und willkommen zu unserer zweiteiligen Podcast Reihe zum Thema Transgenerationale Traumata Aussiedler, Spätaussiedler und andere hybride und fluide Identitäten im Spiegel des PostOst Diskurses. Diese Reihe entsteht im Auftrag von Katerina Nivi, der Beauftragten des Senats von Berlin für Partizipation, Integration und Migration und Walter Gauksx, der Ansprechperson für Deutsche aus Russland, Spätaussiedler und Vertriebene. Wir sind auch froh, wieder bei In Ost im Studio zu sein und ein Studiogespräch aufzeichnen zu dürfen, was ja, wie ihr wisst, leider nicht mehr so häufig passiert. Und heute haben wir gleich zwei Gäst:iInnen zu Gast, an die ich – übrigens Julia Boxler, eine der Hosts von X3 – gleich auch das Wort übergebe. Katharina Blumberg Stankiewicz und Waldemar Masson. Bitteschön. Ihr könnt euch gerne selbst vorstellen.

00:00:53 Katharina

Ja, hallo, ich freue mich sehr hier zu sein und vor vielen Jahren habe ich hier in Berlin die Initiative Zwischen den Polen mitbegründet, habe an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder Wissenschaften studiert, dort gearbeitet und auch zuletzt noch meine Dissertation eingereicht zur Uneindeutigkeit nach der Migration. Ein Thema, das ein sehr persönliches ist und ja, ich freue mich hier zu sehen.

00:01:22 Waldemar

Ja, erstmal vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, dass ich das erste Mal hier sein darf, auch zu einem Podcast. Genau, mein Name ist Waldemar Masson. Ich habe im Bachelor Pädagogik und Kunstgeschichte in Erlangen studiert und meinen Master Kunstgeschichte hier in Berlin studiert und gemacht. Genau, ich bin an sich eher so künstlerisch aktiv, also als Schriftsteller und Maler, das gerade ein bisschen was vernachlässigt wird und bin auch Vorstandsmitglied oder der Vorstand vom Russlanddeutschen Club “Warum бы и nicht?” Und befasse mich in meiner Freizeit mit russlanddeutsche Geschichte und Ahnenforschung.

00:02:01 Ani

Hi, ich bin Ani Menua und ich freue mich sehr auf das Gespräch heute mit unseren Gäst:innen und ich freue mich darauf, etwas mehr in die mehr transgenerationalen Strukturen einzutauchen, die unsere zivilgesellschaftliche Arbeit prägen, also von uns allen. Das hat ja nicht vor zwei oder drei Jahren angefangen, sondern hat eine lange zivilgesellschaftliche Tradition. Und über all das wollen wir heute mit unseren Gästinnen sprechen.

00:02:37 Julia

Herzlich willkommen, Katharina. Wir kennen uns ja noch aus Slubice. da hast du von Zwischen den Polen mich ausgewählt. Ich war sehr stolz darauf, ein Gespräch zwischen dir und Darija Klingenberg zu moderieren mit Miray Seramet. Und das war eine ganz wundersame Begegnung, die mir in Erinnerung geblieben ist, weil sie auch so zwischen den Polen war, also am Fluss zwischen Deutschland und Polen auf der polnischen Seite und ja auch so transdisziplinär mit Mirays künstlerischen Arbeiten und euren PhD-Arbeiten in Progress bzw. Bei Darija war das, glaube ich, schon damals auch rausgebracht. Das war vor fünf Jahren.

00:03:27 Katharina

Auch sehr, sehr positiv in Erinnerung. Der hat auch was Besonderes, weil so viele Zwischen den Polen Frauen mitgekommen sind und wir waren eigentlich noch nie in großer Gruppe zusammen an der Oder deshalb.

00:03:39 Julia

Ja, das war genau. Und da ging es auch viel um Uneindeutigkeiten, auch postmigrantische, migrantische, da sind auch all diese Worte, die heute fallen werden, all diese Kategorien über aus Spätaussiedler sind auch schon gefallen. Wir verlinken auch das Gespräch, dann könnt ihr euch das gerne mal anschauen. Das ist sogar mit Video gewesen. Aber wie gesagt, fünf Jahre und vor fast fünf Jahren war nämlich, da sind wir bei den Zahlen. Da waren dreißig Jahre seit dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag und nun sind es fünfunddreißig. Was ist dein persönlicher und auch beruflicher, weil das ist ja bei dir verbunden, so Rückblick darauf und vielleicht kannst du da auch auf deine zivilgesellschaftliche Arbeit zwischen den Polen Gründung eingehen und auch das, was ihr so oder du beobachtet hast und sicherlich auch in deine Arbeit hast einfließen lassen.

00:04:35 Katharina

Ja, 35 Jahre ist erstmal eine hohe große Zahl und das fällt mir auf, auch. Wie schnell die Zeit. Aber tatsächlich habe ich auch erst im Zuge meiner. Auseinandersetzung, habe ich erst mitgekriegt, wie groß gefächert das feld ist der deutsch-polnischen Beziehungen oder verschiedener institutioneller und auch dann zivilgesellschaftlicher Gruppierung, die seit so vielen Jahren dabei sind. Und tatsächlich war das zwischen den Polen nicht so, dass wir aus so einer Verankerung gestartet sind. Also dass wir gesagt haben, Wir überblicken das deutsch-polnische institutionelle Feld sozusagen und sehen, da ist ein blinder Fleck oder da ist irgendwas zu tun, was wir jetzt in die Hand nehmen. So war das eben gar nicht bei uns. Also wir sind. Über einfach ganz vereinzelte individuelle Kontakte, das ist mir auch erst im Zuge meiner Arbeit klar geworden, wie Community los, also ohne Community, die ja da standen. Heute ist das so ein Term, der überall fällt und es ist immer völlig klar, wer aus welcher Community und so weiter spricht. Das ist mir bis heute nicht klar und ich bin auch sehr dafür. Und deshalb finde ich es auch so gut, hier zu sein und mit euch zu sprechen, Halt über solche Community Grenzen hinweg im Gespräch. Zu sein und zu gucken, was braucht es denn eigentlich wirklich an Austausch und. Geht es? Und also ich habe einfach, es ging tatsächlich bei mir an der Viadrina, an diesem Oder Fluss, der war tatsächlich von Anfang an wichtig an, damit, dass ich geschaut habe, hey, da sind ja noch andere, die genauso wie ich auch aus Polen migriert sind in den er Jahren in Deutschland irgendwo aufgewachsen sind und jetzt auf einmal feststellen, huch, das befasst mich irgendwie mehr, als ich dachte oder wenn ich studiere, vielleicht hat es auch besonders damit zu tun, dann. Will ich mich auch institutionell verorten und das ist wichtig und gefragt und eigentlich stehe ich auf dem Schlauch, ich weiß gar nicht, was ich da bin oder muss ich was sein mit sozusagen einer bestimmten Herkunft oder. Also es war sozusagen wie von null noch mal auf Biografie schauen und aber von Anfang an auch immer hinterfragen, muss ich das, will ich das? Also das war von Anfang an sozusagen eine ganz große Ambiguität und Uneindeutigkeit tatsächlich, wie ich mich bewege. Und das Tolle war einfach natürlich an dieser Uni an der Oder andere zu treffen und die dann auf einmal, also wir hatten dann in den späten er Jahren war noch so eine Generation dort, die auch an der Oder gewohnt hat tatsächlich, das änderte sich, man hatte dann Tickets und war dann viel, viel öfter in Berlin, also Warmtickets und ich habe dann eben. Freundinnen wieder getroffen in Berlin und neue kennengelernt und dann war sozusagen auf einmal Postmigration der große Begriff und das hat uns auch. Sehr angesprochen einfach Und so ist es. Zu unserem Namen gekommen, dass wir uns einen Namen gegeben haben. Aber es fing tatsächlich an auf so einer Ebene, dass wir uns sehr unsicher waren, wohin wir überhaupt steuern, also was wir überhaupt wollen. Also auch, es gibt ja auch diesen Begriff des Kämpfens, der mir immer sehr auffällt und ich habe von Anfang an mal gedacht, wow, ich möchte mich auch für etwas einsetzen. Ich bewundere das, wenn sozusagen ein Engagement. Sichtbar wird, hörbar wird und so weiter. Aber ich bin nicht aus dieser Klarheit gekommen, sozusagen dass ich für etwas kämpferisch einstehe oder so was. Das ist auch sozusagen diese Ambiguität von Anfang an. Ja, ich will mich mit. Es gibt Themen, wo ich denke, die reizen mich ziemlich an. Ich will mich zu Wort melden, aber wie eigentlich, Also ich könnte das jetzt ewig, glaube ich, weiterführen, aber vielleicht Also zwischen den Polen fing tatsächlich an in einem Workshop Raum, den wir auf sehr. Unkomplizierte Weise bekommen haben, damals in der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Robert Traber war damals Direktor und hat in einer von so Veranstaltungen Schloss Genshagen, es gab ja viele schöne Orte, wo man immer wieder sich so getroffen hat und in Vorbeigehen gesagt Das sind ja interessante Themen, über die ihr euch unterhaltet, wenn ihr einen Ort braucht, auch für einen experimentellen Workshop, ohne festzulegen, worum es geht. Es ist ganz bestimmt möglich. Und so fing es bei uns an.

00:09:52 Julia

Du sprichst ja hier auch aus der Position von einer kompletten Grassroots Selbstorganisation,Selbst Organisation, wo du auch gesagt hast, dass ihr da überhaupt auch gar nicht mit diesen Gedanken daran gegangen seid,gegangen, seid, das irgendwie institutionell anzubinden oder irgendwie gar abzustoßen. Jetzt haben wir hier Waldemar sitzen mir gegenüber Waldemarson. Wir kennen uns eher, wir haben uns noch nie persönlich getroffen. Umso schöner, dass du hier bist, aber wir saßen schon gemeinsam in Räumen, wo wir uns gesehen haben, bei Natalie Public zum Beispiel. Und das sind ja schon eher so institutionelle Verortungen, weil wir auch mit Anni natürlich dazunatürlich muss man dazu sagen, jetzt auch immer mehr. Solche Verknüpfungen haben, wenn auch genauso wie zwischen den Polen eigentlich komplette Grassroots Geschichte ist, auchist auch so angefangen .angefangen hat. Aber mittlerweileAber mit mittlerweile bewegen wir uns genau da, also auch jetzt mit dieser Podcast-ReihePodcast Reihe zum Beispiel auch an diesen Grenzen oder überschreiten sie bzw. Haben Kooperationen mit durchaus Institutionen oder auch bpb und so weiter. Und das ist gar nicht so unkompliziert oft. Und der Grund auch, warum wir hier zusammensitzen, ist auch einer, dass es halt so sehr komplexe Zusammenarbeiten sind. Und vielleicht kann Waldemar auch ein bisschen was erzählen,erzählen aus also erstens aus deiner, aus deiner Erfahrung und dann auch wie so eine kleine vielleicht, also soll jetzt nicht historisch irgendwie adäquat mit Zahlen oder so sein, aber vielleicht kannst du eben von deiner. Warte aus so ein bisschen Überblick geben, worauf wir zum Beispiel mit unserer Arbeit durchaus aufbauen. Wir sehen das schon so, dass Postos so als Eine neue Grätsche kam irgendwann so vor sechs, sieben Jahren komplett aus so einer zivilgesellschaftlichen Grassroots Geschichte aus. Aber natürlich snd wir nicht in einem luftleeren Raum. Also zuvor kommen ganz viel Verbandsarbeit, Jahrzehnte von anderer eigentlich migrantischer Arbeit, auch wenn sie sich selbst nicht immer so bezeichnen würde wahrscheinlich. Vielleicht kannst du kurz was dazu sagen und gerne dabei auch über dich, über deine eigene Auseinandersetzung damit.

00:12:07 Waldemar

Genau, also ich kann jetzt von der Seite der Russlanddeutschen sprechen. Ich meine, die älteste russlanddeutsche Organisation ist ja die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, die ja 1951 Stuttgart gegründet wurde und auch in der ersten Linie auch, ich meine, einen wichtigen Beitrag geleistet hat, weil aufgrund durch den Zweiten Weltkrieg viele Russlanddeutsche nach dem Krieg, als sie in den Westen gekommen sind, teilweise im Westen bleiben konnten oder es geschafft haben, aber viele Verwandte hatten, die im Osten geblieben sind und man dann quasi gekämpft hat, dass diese Leute auch ausreisen durften, weil auch wenn schon in den 50-n Jahren Adenauer erlaubt hatte, die Deutschen aus aus der Sowjetunion ausreisen zu dürfen, haben ja die Sowjets uns ja weiterhin festgehalten und quasi die Landsmannschaft hat ja damals in der Zeit versucht, ja Brücken zu bauen, auch wie gesagt dafür gekämpft, dass die Leute dann auch ausreisen dürfen. Familienzusammenführung und ja auch ein Teil der Geschichtsarbeit, was dann in den letzten Jahren, also so mein Eindruck, auch immer mehr nur auf das Kriegsgeschehen, also die Kriegsjahre geht, also eher so mal auf diese Deportation. Auch generell merke ich selber, dass es mehr so ein Aufkommen ist, weiter die Geschichte zu erforschen, weil die russlanddeutsche Geschichte meistens immer nur so auf diese drei Punkte Auswanderung durch Katharina der Großen, dann halt Deportation und dann sind wir zurückgekommen nach Deutschland. Auf diese drei Punkte wird es irgendwie festgemacht und was dazwischen passiert, darüber spricht man halt nicht. Also quasi was ist nach den er, also nach 41 passiert oder bis halt in den 50-n, was haben unsere Familien gemacht oder was war halt vor dem Krieg alles so? Das wird alles immer so ein bisschen unterm Teppich gekehrt und man merkt halt, dass es so jetzt ein Aufkommen ist. Mehr Erinnerungsarbeit oder Kulturarbeit ist mehr im Fokus oder beziehungsweise es ist im Kommen gerade, dass man nicht nur jetzt noch auf diese drei Standpunkte unsere Geschichte reduziert und Erinnerungen betreibt, sondern wirklich auch weitergeht. Und wirklich auch verschiedene, also ich bin ja quasi auch bei “Warum бы и nicht” aktiv. Und in den letzten Jahren ist es dem Club gelungen, auch mit den Russlanddeutschen, die nach Argentinien ausgewandert sind, Brücken zu bauen, also sich zu vernetzen. Aber auch hatten wir jetzt den bekanntesten, sag ich mal, Ahnenforschung bei den Russlanddeutschen, den Brent Maida, der quasi so den Grundstock gelegt hat für die Ahnenforschung, weil er damals in den ERN in die Sowjetunion, also als die Sowjetunion zerfallen ist, nach Russland gefahren ist, in den Archivarien gegangen ist und wirklich diese ganzen Listen, Volkszählungslisten aufgeschrieben hat. Anhand des ist es zum Beispiel heute möglich, wenn man wolgadeutsche Wurzeln hat, Ahnenforschung zu betreiben.

00:14:55 Julia

Nun gab es ja auch, jetzt würden wahrscheinlich andere Leute sagen, es gab ja auch noch die Vertriebenen, gab es die nicht schon vor der LMDR oder so? Also wie siehst du diese ganzen, also die LMDR ist ja das eine, dann gibt es jetzt auch so jüngere Organisationen wie die, der du angehörst. Wir beziehen uns ja hier diesem Gespräch auch vor allen Dingen mehr so auf Berlin, also weil wir können das ja auch nicht abdecken. In Berlin ist ja die LMDR zum Beispiel auch gar nicht so stark. Genau, also weil das ist eher so in Süddeutschland, ich glaube in Bayern ist es ganz stark und so. Wie siehst du hier diese ganzen Positionen verortet? Also Berlin ist ja auch so eine Stadt voller Dörfer, sagen wir auch. Hier ist es ja alles sehr divers aufgebaut und selbst so eine Verbands oder institutionelle Arbeit, selbst die ist ja auch so zersplittert, habe ich das Gefühl. Siehst du das in Berlin? Arbeiten alle zusammen, frage ich mal direkt oder wie passiert das hier? Was denkst du?

00:15:59 Waldemar

Also meistens habe ich eher so das Gefühl, jeder kocht eher so sein Süppchen selber. Also dieser Austausch, der könnte man noch ein bisschen mehr ausbauen. Es gibt ja verschiedene Gruppierungen oder Verbände, aber die Kommunikation ist noch eher Ausbau fähig, weil wie gesagt, als ich quasi so diese ganze Vereinsarbeit oder dass es so Russlanddeutsch Verbände gibt, habe ich erst so kennengelernt, als ich in Berlin hergezogen bin, weil davor habe ich überhaupt davon gar nichts mitbekommen. Also und man merkt halt so, dass die letzten Jahre kaum so Werbung oder halt so, man ist nicht nach außen getreten, um halt sich sichtbar zu machen, sondern erst in Berlin habe ich das so mitbekommen. Und ja, es ist schon ein bisschen schwierig, weil auch verschiedene Standpunkte gesetzt werden. Die einen sind dann, glaube ich, also vor allem die Älteren so, ja, die sind ja noch so ein bisschen vielleicht verschwiegener, kann ich auch aus der eigenen Familie noch so erzählen. Aber die jüngere Generation quasi hat den Drang mehr, also wie zum Beispiel Rivel wirklich so aufzubrechen und wirklich auch mehr zu zeigen und nicht nur immer auf 2. Weltkrieg die Deputierten, weil an sich sind ja die Russlanddeutschen ja auch vertriebene. Also bis 93 galten ja wirklich die Russlanddeutschen auch als Vertriebene, so wie die quasi aus Polen gekommen sind oder aus Rumänien. Deswegen sind es ja auch quasi nach dem Gesetz die Leute, also wie auch meine Familie, die ist 92 gekommen, zählen auch in der Migrantenstatistik auch nicht als Migranten. Also das heißt, ich hätte offiziell gesehen auch keinen Migrationshintergrund in dem Fall gesetzlich.

00:17:34 Julia

Ich glaube, das hat sich geändert. Also die wurden schon so erfasst. Also zumindest kann man Statistiken abrufen und dann wird auch nach diesen ganzen Ländern sortiert und so weiter. Ich glaube, das sind ja Sachen, die sich verändert haben in den letzten Jahren und die haben sich auch nicht im luftleeren Raum verändert, sondern zum Beispiel durch solche postmigrantischen Initiativen, die den Diskurs noch mal ein bisschen neu zentriert haben. Und ich sag mal so, wenn wir vor sechs Jahren auf bestimmten Tagungen waren und sowas wie postmigrantisch oder überhaupt migrantisch geäußert haben, wurden wir aber sehr angefeindet. Also können wir daraus, also können wir es so sagen mittlerweile?

00:18:16 Ani

Vielleicht kann man einfach sagen, es ist nicht so, dass wir direkt angefeindet wurden, sondern es war eher die Frage, warum? Also warum sind wir jetzt da? Was, was wollen wir eigentlich? Also was machen wir jetzt besser, was nicht vorher schon da war? Also warum schmeißen wir uns so ins Zeug für etwas, wofür sowieso Menschen kämpfen? Das war eher so ein Unverständnis, um.

00:18:37 Katharina

Das einfach etwas.

00:18:40 Ani

Greifbarer zu beschreiben.

00:18:42 Katharina

Es war einfach, es gab schon so ein bisschen so eine Sortiertheit, so hier, das sind migrantische Gruppen, da kommt das sozusagen, da wurde schon länger über Postmigration gesprochen und auf einmal war es wie so eine Überraschung, dass das noch mehr Menschen machen.

00:19:02 Ani

Das war ja auch so sortiert. Also die eine Dimension war diese Verbandsarbeit oder Vereinsarbeit innerhalb verschiedener postsowjetischer Gruppen, unter anderem auch der Russlanddeutschen, Vertriebene und Aussiedler, je nachdem wie sie eben organisiert waren. Und dann noch mal die sogenannte Migrationsforschung, die dann noch mal zementiert, was wie bezeichnet werden soll. Und das war eben die Zeit, dass all diese Kategorien nicht mehr gegriffen haben. Und also die Zeit, das war ungefähr vor sechs, sieben Jahren. Und das war, also wir haben, also im Gespräch haben wir mit dir, Katharina. Da hast du gesagt, dass zwischen den Polen aus eher, also nicht wirklich im Bewusstsein entstanden ist, einfach nur aus einem Gefühl oder ihr seid einfach zusammengekommen ohne Community. Und wir sind auch erstmal zusammengekommen, aber schon aus einem bestimmten Bewusstsein heraus, dass es eine bestimmte Sichtbarkeit nicht gibt und wir auch sie individuell dual nicht erreichen können. Also weder durch professionelle Arbeit noch auf der privaten Ebene. Also wir kommen nicht in irgendwelche Diskurse rein und wir wollen sie aber mitbestimmen. Und deshalb war so die okay, wie machen wir das, um diese Austauschräume zu schaffen? Gar nicht mit dem Bewusstsein, okay, alles was da ist oder war, ist irgendwie schlecht, sondern wie können wir das übersetzen in eine Zeit. Oder in Diskurse, die unsere Gespräche und Themen mit implementieren können und die wir mit anderen migrantischen Gruppen zusammen weitertreiben können.

00:20:53 Katharina

Ich finde das eigentlich ganz interessant, dass es so viele Ungleichzeitigkeiten gibt, aber auch ganz im positiven Sinne verstanden, Weil ich würde so wie du das formulierst. Für euch ist glaube ich auch zwischen den Polen, würde ich sagen, ja, wir kommen immer wieder in so einen Anfangspunkt, wo wir sagen, jetzt können wir auch noch mal schauen, wie wir. An bestimmten Diskurs vielleicht teilnehmen oder auf welche Weise. Aber das war so eine lange Phase des Herausfindens. Und Julia, du hattest ja auch gefragt nach diesen Vorgängern, auch noch einen Schritt weiter zurück, vielleicht bevor wir uns überhaupt gefunden und formiert haben. Da habe ich halt eben, also schon in Berlin ganz wichtig und sichtbar prominent ist der Club der polnischen Versager. Und das war auch so mein erster Raum, wo ich aus Frankfurt oder kommt eigentlich von da aus Berlin irgendwie entdeckt habe. Und für mich war das auch tatsächlich ein ganz spannender Raum, aber ich hatte das nicht klar. Ich dachte, wir sind damals schon viel weiter, als wir irgendwie sein. Also ich dachte, wir müssen gar nicht mehr über Postmigranten, den Törn gab es eigentlich noch gar nicht, aber das war da schon Praxis aus meiner Sicht unbezeichnet. Also es geht doch von vornherein um so was wie Allianzen, postmigrantische Allianzen hatte ich später schon in Langk, das war Jahre später, aber Jahre, also um die er Wende war eben dadurch, dass der Clubname ironisch. Da stand. Der war offen für ganz unterschiedliche Gruppen, ob die jetzt nun irgendwie eine polnische Migrationsgeschichte hatten oder nicht, das haben wir auch nicht gesagt, man wollte das auch nicht sagen, weil es ging einfach darum, nach vorne zu gucken mit anderen zusammen, die aus ganz unterschiedlichen Ländern auch kamen. Also so ein Raum war das aus meiner Sicht. Und dass ich dann später in meinen ganzen auch Forschung festgestellt habe, dass auch dieser Club in gewisser Weise einen Vorläufer hatte, das fand ich dann sehr, sehr spannend. Also Witold Kaminski ist ein Name, den ich da auf jeden Fall nennen würde, der den polnischen Sozialrat in Berlin hier in Kreuzberg mit gegründet hat und den ich auch kennenlernen konnte. Er ist 2019 verstorben und hat aber, glaube ich, sehr viel eben auch, wenn wir das so Grenzarbeit nennen wollen, verschiedene Communities und Sichtweisen zu Migration zusammengeführt. Also seien es sozusagen Aussiedlerinnen, die fand er sehr wichtig in der Arbeit. Man hat gesehen, die werden mit ihren Fragen, eigentlich müssen wir die in der Böll Stiftung und wenn es um Pendlerinnen und die Fragen von Menschen, die gerade hier ankommen. Wir müssen über diese Sachen sozusagen in einem sprechen.

00:23:56 Julia

Ja, das ist ganz wichtig. Also weil das andere ist, wenn wir jetzt das versuchen zusammenzudenken, weil du jetzt für die. Polnischen migrantischen Gruppen sprichst, weil wie wir schon festgestellt haben, sind es ja sehr viele, es ist ja alles sehr heterogen. Und wenn wir jetzt hier auf, ich sag mal, Waldemar, oh Gott, es hört sich sowieso gegenseitig an, aber das meine ich gar nicht. Die sitzen einfach so links und rechts von mir. Wenn es da um die sogenannten Russlanddeutschen geht. Da ist ja auch die O aufgeworfen haben mit Post Ost, wer sind die Russlanddeutschen und wo hören sie auf und wo fängt etwa eine Grauzone, eine Mischzone von Mehrfachzugehörigkeiten an? Und dieses Fass haben wir ja aufgemacht, auch wenn es schon lange vorher da war. Und es war da, es waren ja auch andere Verbände da, weiß ich nicht. In der DDR wurde ja schon der Club Dialog gegründet, der bis heute auch eine sehr große Organisation ist in Berlin. Und es gibt viele, viele andere kleinere, größere zivilgesellschaftliche Vereinigungen, die auch kommen und gehen. Manche Menschen, also wir hatten auch zum Beispiel auch eine Person, die wir gerne eingeladen hätten, dann haben wir festgestellt, sie ist leider verstorben, sie hat auch große Arbeit gemacht in Berlin in den letzten Jahrzehnten. Das waren Menschen, die seit den er Jahren migrantische Arbeit geleistet haben. Vielleicht angefangen aus dieser Aussiedler Perspektive, weil so viele in den ERN kamen und dann aber halt komplett breit aufgestellt wurde, weil diesen Menschen klar ist, wenn sie wirklich hands on mit den kommenden Menschen, mit den migrantischen Schicksalen arbeiten, dass das sich alles überlappt. Und da hatten wir auch so kleine zivilgesellschaftliche Vereine, von denen wir alle noch nie vorher wahrscheinlich gehört haben. Gefunden, die die ganz große Arbeit gemacht haben, die ganz breit gefächert waren, die nicht mehr in diesen monothematischen Erzählungen von den sogenannten Russlanddeutschen und all ihren Leiden und so weiter waren, die wichtig sind. Wir wissen, warum es wichtig ist. Wir wissen, warum es für diese ganzen Strukturen wichtig ist, weil es diese. Paragraphen gibt, weil es diese Gesetzgebung gibt, auf denen diese ganzen, also den, diese ganzen Migrationsgeschichten beruhen, auf denen sie das überhaupt passieren konnten. All diese Millionen von Menschen, über die wir jetzt hier so ein bisschen stellvertretend sprechen dürfen. Aber genau das sollte jetzt nur so eine kleine Heranführung sein, um zu verstehen, dass es ja auch eben all diese Gleichzeitigkeit gab, gibt und geben darf und soll und wahrscheinlich auch noch geben wird, auch wenn es jetzt weniger, wie wir wissen, so Zuzug gibt, vor allen Dingen mit diesen ganzen Aussiedler Paragraphen. Aber es gab ja schon immer auch vor diesen Paragraphen, vor diesen Verbänden schon immer sehr viel Migration und sehr viel Austausch mit dem sogenannten Osten und dem sogenannten Deutschland, was vorher auch noch gar kein Deutschland war. Das heißt, das wird es auch immer geben. Von welchen Paragraphen wir auch ausgehen wollen oder auch nicht. Wie wir jetzt sehen, haben wir auch einen großen Zustrom von Menschen aus der Ukraine aufgrund des Angriffskriegs seitens russlands. Da haben wir jetzt noch mal eine ganz neue neue Sparte und sicherlich auch ganz viele neue selbstorganisierte Bündnisse, die daraus jetzt sich entwickeln. Also wissen wir auch schon, also die sind sozusagen jetzt dabei, sich zu formieren.

00:27:47 Ani

Auch alte, also ich meine, die diese ganzen, also um das auch noch mal hier zu verbinden, also die ganzen Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind, haben auf verschiedene Strukturen getroffen. Einmal schon vorhandene ausgebaute Strukturen und dann durchaus Organisationen, die sich neu zusammengefunden haben, neuen Fokus gesetzt haben, woraus neue zivilgesellschaftliche Strukturen entstanden sind. Und dann nochmal, ich will darauf kurz zurückkommen und frage euch dann. Also was Julia gesagt hat mit den Paragraphen, warum Menschen dann eben nach Deutschland gekommen sind und warum man immer wieder darüber spricht. Das ist das eine, weil es juristisch sozusagen diese Kategorien gibt. Das andere ist aber, wenn man permanent über Leid, Schmerz, Verlust und weiter spricht, erzeugt es auch ein Gemeinschaftsgefühl in einem Land, das man vielleicht nicht seins erstmal betrachtet. Die Frage ist aber. Wie man dieses Gefühl verändert, damit es nicht das einzige Identifikationsmerkmal über Generationen hinweg bleibt. Also wie lange will man über Vertreiben, Verlust, was weiß ich, was zwischen Generation Trauma tradiert, untradiert, es einfach wird so mehrdimensional dann besprochen und ich habe das Gefühl, man vergisst dabei zu schauen, okay, was passiert in der Gegenwart und wie, wie gehen eigentlich die neuen Generationen, die Menschen, die gerade neu die Welt erblicken, erkunden, wie gehen sie damit um? Und Waldemar, du beschäftigst dich ja auch ein bisschen durch deine Ahnenforschung genau mit diesem Thema, dass du schaust, was war, was ist jetzt eigentlich und wie kann man das versöhnlich betrachten, ohne dass man sagt, okay, ich identifiziere mich mit der Geschichte, weil meine Ahnen “drei Runden Gulag” Geschichte hinter sich haben und das sage ich auch nicht, also auch in Bezug auf meine eigene Geschichte eigentlich, weil mich das auch extrem stört, dass man das immer wieder zum Zentrum macht. Also ich bin selbst Armenierin und es geht natürlich um den Genozid, aber auch in der Sowjetunion habe ich durchaus viele Verwandte, die in den Gulags gelandet sind und aus Versehen getötet wurden, nicht aus Versehen bei Falschnamen, weiß nicht gegeben wurden und so weiter. Aber ich selbst habe auch nicht ewig die Zeit, mich über solche, also wie gesagt, es soll nicht despektierlich klingen, aber ich will noch mich über andere Themen austauschen, als nur über Deportation und Mord und Totschlag.

00:30:26 Waldemar

Ja, also für mich war halt diese Ahnenforschung so ein Schlüssel, also weil man als Kind und Jugendlicher so unter einer Identitätskrise gelitten hat, weil man wird halt im Dorf, also ich bin im ländlichen Bereich aufgewachsen, als Ruße wahrgenommen und quasi, wenn irgendwas nicht gepasst hat oder so, haben die Nachbarskinder einen alten Rußen beschimpft und zu Hause erklärt, aber Oma, wir sind Deutsche. Und als Kind ist es halt hochkomplex, das zu verstehen. Man hat zwar diese groben Geschichtswissen gehabt, so mit Katharina der Großen und so alles so, aber halt, ja, wer bin ich überhaupt? Weil irgendwie die eine Seite, also die, sag ich mal, die Schwaben, die wollten mich nicht, aber gleichzeitig aber auch die russlanddeutsche Seite hat mich auch wieder nicht mehr akzeptiert, weil ich ja schon zu deutsch war. Also das heißt, ich war ja von beiden Welten nicht willkommen. Also ich habe dann auch immer gesagt, ich bin so ein Außerirdischer zwischen zwei Welten, also die wollen mich nicht, also gut, bin ich halt jetzt ein Alien. Und so ein ausschlaggebender Moment war die Anforschung durch eine Hausaufgabe, als ein Lehrer meinte, ja, wir sollen Stammbaum ein bisschen Urgroßeltern machen. Und da habe ich halt gemacht und zu der Zeit lebten noch die Eltern meiner Großmutter, also meine Urgroßeltern und es hat mich halt dann gepackt. Und in erster Linie ging es eher darum, sein Deutschsein zu beweisen. Wir durften uns alle immer anhören, diesen xenophoben Schäferhundwitz, so dass unsere Vorfahren haben vor 200 Jahren einen deutschen Schäferhund gesehen, deswegen sind wir alle nach Deutschland gekommen. Und ich wollte halt diesen Witz einfach irgendwie aus der Welt schaffen durch Ahnenforschung. Dann ging es in erster Linie nur Namen, Daten, Orte, um zu sagen, ja guck mal, sind aber auch so deutsch, so wie ihr alle. Und diese ganzen Geschichten, die nebenher erzählt wurden, die habe ich erst gar nicht wirklich wahrgenommen. Ich habe die zwar immer so schön mal mit notiert, Stichwort, aber die habe ich gar nicht wirklich interessant befunden, dachte mir so, naja, egal, oder ist nicht so wichtig, Aber jetzt in den letzten Jahren merke ich halt, diese ganzen Geschichten sind ja um einiges Gold, Werter, weil die füllen halt diese Namen und Daten, weil du hast ja eigentlich immer nur die Namen und dann geboren, gestorben, aber dazwischen ist ja ein ganzes Leben vorangeschritten oder Leben stattgefunden und das hat mich mehr interessiert. Und dann auch, wie du schon gesagt hast, nicht nur über Deportation, sondern welche Berufe haben die gemacht, was haben die für Hobbys gehabt, woher auch das Verständnis, warum ticken meine Eltern, meine Großeltern so, weil es als Kind ein Jugendlicher, wenn man sich aufgreift, warum sind sie so eigenartig oder so keine Ahnung, haben so eine komische Mentalität. Und dieses Ahnenforschung, wo dann rauskommt, Wie ist meine Mutter aufgewachsen? Wie ist mein Vater? Wie sind meine Großeltern aufgewachsen? Hat mir halt mehr Verständnis gegeben, Warum ticken die alle so? Oder warum haben die ihre komischen Knackse oder ja, ich meine, jeder ist auf seine auf eigene Art und Weise ja irgendwie verrückt oder hat seine Ecken und Kanten. Aber es hat mir halt dann geholfen, sie besser zu verstehen und vielleicht dann auch manche Situation als Jugendliche, wenn man auf die Eltern wütend war oder so, das dann noch mal zu reflektieren und dann zu Ja, okay, vielleicht war es in dem Moment nicht anders möglich, weil sie hatten vielleicht diese Möglichkeiten nicht, weil halt in ihrer Kindheit das gefehlt hat, Weil auch dieses Schweigen, also man kennt es ja, dass viele russlanddeutsche Familien und die Älteren so verschwiegen ist. Man redet über vieles nicht. Und ich bin halt froh, dass bei uns halt dieses Schweigen gebrochen wurde. Also dass dann halt wirklich alles erzählt wurde, Stück für Stück auch vielleicht nicht alles auf einmal, aber mit den Jahren wurde halt dann das eine oder andere Familiengeheimnis, was man versucht hat, vielleicht unter den Teppich zu kehren, doch dann gelüftet oder so erzählt. Wieso, weshalb, warum? Und das hat mir halt mir geholfen, quasi meine Identität halt Frieden zu schließen, zu akzeptieren. Einerseits, ich musste nicht beweisen, dass ich Deutsch das Einzige, was ich bewiesen habe, ich habe einfach eine verdammt gute Spürnase. Aber ich habe Frieden gefunden, dass ich sagen kann, gut, ich habe halt, ich bin in Deutschland sozialisiert worden, ich habe diese Kultur erlebt oder erlebe ich, Aber ich habe gleichzeitig halt von meinen Eltern diese postsowjetische Mentalität, was sie haben, auch mitbekommen. Das heißt auch so ein Einblick in das Leben, was sie gelebt haben, so halt sie konserviert haben oder konserviert wird.

00:34:44 Katharina

Ich hab nur gedacht, dass ich das so ein bisschen andersrum bei mir sehe im Sinne von Identitätskonflikt. Das habe ich nicht gespürt. Ich habe ja und wenn wir, also wenn ich der Diskussion so zuhöre, dann denke ich, sehe noch mal sehr deutlich diese Kritik an, wie wir umgehen mit Migration, Migrationsforschung auch, dass wir einfach das Problem haben, wenn wir Migration sagen, sehen wir eigentlich das Problem, sehen wir auch solche, auch diese Opfergeschichten sind das doch. Und wer will Opfer sein ewig. Wer will eigentlich diskriminiert sein ewig. Und eigentlich nur Migration sagen, wenn zuvor die Diskriminationsgeschichte formuliert wurde und das hat mich eigentlich sehr stark und zunehmend stark herumgetrieben. Mir ist auch gerade so ein Bild gekommen, was ich vor Mal, als ich unterrichtet habe, ein Seminar zur zweiten Generation von Migrantinnen verschiedener Orte, dass ein Student. Völlig baff. Wird das denn nie zu Ende gehen. Also auch in dieser Sorge und solche Reaktionen spiegeln einem ja auch. Wie verstörend das sein kann. Und ja, das wird zugeschrieben oder auch weiter betrieben und so weiter. Und beim Stichwort Stammbaum ist mir auch noch mal dieses Bild gekommen, weil wir alle irgendwo Stammbäume haben und für alle Menschen ist es interessant, die Großeltern und sozusagen neue Informationen über die Familie herauszufinden. Und ich habe hier dieses Bild von unserem Logo zwischen den Polen. Es ist ja auch. Eine Frucht, die an einem Baum hängt, ein Apfel und. Das ist halt ein schöner Apfel, der ist einfach irgendwo rot oder grün und leuchtet farblich, aber es steht nicht für ein Problem. Es ist einfach. Jeder beißt mal irgendwo in den Apfel jeden Tag vielleicht oder Bäume umgeben uns hier in unseren Breitengraden und damit haben wir alle zu tun.

00:37:03 Julia

Ich würde gerne noch auf Waldemars Sachen eingehen und zwar diese Ahnung Forschungstool. Also so klingt es ja bei dir. Du hast ja auch irgendwo habe ich gehört, Einträge mittlerweile mittlerweile sind es. Also es ist ja auch schon nicht zu unterschätzen und hast du vielleicht auch dadurch herausgefunden, weil also startete ja mit diesen Deutschbeweisen des Deutschseins und so weiter, hast vielleicht herausgefunden, dass das gar nicht der Punkt ist, sondern damit bewiesen auch, dass dieses sogenannte Deutschtum gar nicht so. So in so einer Monoerzählung gibt, auch in Bezug auf deinen Nachnamen.

00:37:48 Waldemar

Ja, tatsächlich. Es gab dann vor wenigen Jahren mal so eine Debatte, da gab halt einen Journalisten, der hat einen Kommentar gemacht, als Trump, glaube ich, seine erste Wahl gewonnen hat und hat er so einen abfälligen Kommentar über die Russlanddeutschen gemacht, weil die ganzen Experten dann in Online Plattformen dann so geschrieben haben, na ja, die ganzen Experten, die sind jetzt so wie die Russlanddeutschen mit ihrem Schäferhund. Das habe ich dann zum Ausschlag genommen, einen Text zu schreiben, der dann auch im Almanach erschienen ist. Und dann quasi so mein Werdegang als Ahnenforscher mit dem Beispiel mit dem deutschen Schäferhund, was ich dann auch so provokant genannt habe. Ich habe den deutschen Schäferhund gesucht, ich kam aber bei der französischen Bulldogge raus um zu zeigen, dass meine Vorfahren nicht nur jetzt Deutsche waren, sondern halb Europa ist halt vertreten. Also mein Name ist zum Beispiel die väterliche Linie, also mein Opa väterlicherseits, von dem ich Maçon den Namen habe, dessen Vorfahren kommt aus Lothringen, also zum Teil aus Frankreich. Und dann haben wir niederländische Wurzeln aus der Schweiz. Mein Opa mütterlicherseits, der hat Vorfahren, die sind aus Südtirol. Also da merkt man, dass halb Europa dann in den Osten gezogen ist, teilweise in Polen und in Skandinavien irgendwie unterwegs war und weiß was ich, wo alles dann nach Russland kam und sich da auch zerstreut hat. Also es ging gar nicht nur so, es sind alles Deutsche, sondern Nein, also auch dann hat man in der Geschichte gelernt, es gab auch französische Dörfer an der Wolga mit den Deutschen zusammen oder es gab auch ein schwedisches Dorf im Schwarzmeergebiet, wo die Deutschen und auch Schweizer waren da. Also es zeigt dann, die Geschichte ist nicht nur, wie du gesagt hast, so monoton, sondern es ist ja divers gewesen. Also die ganzen Gruppierungen und Dörfer, die sie.

00:39:26 Julia

Genau, weil ich habe das mit Absicht dich jetzt aussprechen lassen, weil es ja doch sehr viele solcher tradierten. Draufblicke gibt, die dann sich sehr viel in so einem deutschtümlichen verlieren fast schon, was vielleicht unnötig ist, weil es ja hier um ganz andere Sachen geht, oder? Also man kann das ja auch mit betrachten, weiß ich nicht. Für andere, für ältere Generationen ist ja zum Teil auch wichtig, weil das sozusagen aus ihrer Kindheit ihre eigenen Bezüge sind zu ihrer Kindheit oder zu ihren Traumata und so weiter. Gleichzeitig. Wollen wir halt nur emporheben, dass es vielleicht einfach nicht wichtig ist, sich immer so zu rekurrieren, zurückzubeziehen. Vor allen Dingen nicht auf dieses Blut und Boden Ding, was ja leider so, Also es ist natürlich gesetzlich nicht verankert, aber ich habe das Gefühl, besonders manche Menschen in Positionen, die dann wichtig sind, politisch wichtig sind, fühlen sich wie so gezwungen, das immer wieder so empor zu hinterher und damit aber auch diese Migrantinnengruppe. So in so eine extra Rolle zu drängen, was wir sehr schwierig finden, zum Beispiel in unserer Arbeit, Ani und ich und. Ihr sowieso wahrscheinlich auch in den Polen. Hattet ihr, wie sich anhört, genau auch diese Überlegung schon damals, also dass man dachte, man sei schon in den Ern oder Anfang er drüber, da habe ich mich auch schon so als Europäerin oder sonst was betrachtet.

00:41:04 Katharina

Schwer Das tatsächlich ist die Frage. Wir haben uns nicht Migrantinnen genannt und das ist so was, was auf der Hand liegt, wenn du in der Kindheit migriert bist. Und das waren ja zwei Systeme und es war ein absolut hohes Wirtschaftsgefälle. Das war krasse Migration. Und das dann nie zu benennen, das ist dann irgendwie dann doch, das wurmt einen dann doch. Und gerade wenn du merkst, ich will mich da anschließen, ja, in der Postmigration, es gibt was zu sagen, aber ich kann mich gar nicht so leicht anschließen, weil alles ist erstmal top. Ich bin irgendwie, ich fall nicht auf, ich warte nicht mit den großen Problemen auf. Wieso sollte ich mich? Was ist da eigentlich mein authentischer Po?

00:41:49 Julia

Ich glaube, dem allen liegt zugrunde, dass in all diesen Bereichen und Fragen eigentlich die Projektionen von der Mehrheitsgesellschaft drin enthalten sind, die wir alle, auch Leute, die zum Beispiel stellvertretend für diese Gruppen sprechen, die in bestimmten Positionen teilweise sind, internalisiert haben, die einfach so Sprech sind in der Wissenschaft, in der Politik, in der Gesellschaft, in den Medien und so weiter. Und das ist halt die harte Arbeit, die zum Teil auch wir machen, aber auch wir sind davon betroffen natürlich von diesen Internalisierungsmechanismen, das zu durchbrechen und zu gucken, okay, wie können wir das jetzt erschüttern? Wie können wir das neu denken? Und zwar nicht neu denken, wie wir zerstören das alles, was vorher war, sondern hey, wie können wir das befreien von so, ich sage mal, teilweise neokolonialen oder auch kolonialen historischen Narrativen, die auch ganz viel Osthass mit sich bringen, wenn man jetzt die deutsche Geschichte ganz speziell ansieht. Das Ganze so ein bisschen neu zu denken und gleichzeitig nicht zu hey, wirklich, wir zerstören das, was vorher da war, im Gegenteil, sondern wir machen das jetzt produktiv.

00:43:01 Waldemar

Ich finde einfach, man hat so ein steifes Denken, dieses Schwarz Weiß Denken ist halt immer noch sehr verankert und gesagt, du musst entweder das oder das sein, Du darfst nicht irgendwie in der Mitte laufen. Und ich meine, wer bin ich oder was bin ich? Ich meine, meine Schwester ist zum Beispiel in Kanada geboren und wir hat auch die Frage gestellt, ja, wer bin ich jetzt eigentlich so, weil. Oder auch mich selber, weil ich zum Beispiel selber habe auch Schwierigkeiten, Ich bin Russlanddeutscher, weil ich hier geboren bin und man ja irgendwie so auch ausgeschlossen ist, so ein bis aus dieser Generation, die hergekommen ist, weil man ja schon eine neue Generation ist, dass ich dann auch für mich dann auch so neue Begrifflichkeiten sage. Ja, ich bin Beispiel Deutscher, aber ich habe in Russland deutschen Hintergrund und das geht halt vielen so. Vor allem, wie gesagt, wie gesagt, ich habe einen französischen Nachnamen. Du hast Eltern aus Kasachstan, du bist hier geboren, deine Schwester ist in Kanada und du hast dann irgendwas in Amerika. Also wer bist du überhaupt. Mittlerweile nehme ich es auch mit dem Humor oder sagen sie alle, du bist ja so ein Europamensch, bei dir ist irgendwie alles vertreten. Und ich finde einfach so dieses Rauskommen aus diesem steifen Schwarz-Weiß Denken muss mehr raus und mehr in Grautönen denken.

00:44:07 Katharina

Ich finde so, genau, ich habe das Stichwort Ungleichzeitigkeit vielleicht noch, deshalb kommt es mir noch mal, weil wir haben uns ja zwischen den Polen genannt und dann brauchten wir irgendwie einen Untertitel, um irgendwie doch zu sagen, ja, wer Migrantinnen der zweiten Generation, wir sind jetzt eigentlich dabei zu, ne? Ja, das hat uns zusammengeführt. Wir brauchten einfach ordentlich Zeit, weil wir uns darüber verständigen wollten. Der Austausch über die Migrationsgeschichten, woher, wie, was und diese auch wirklich sehr unfielen Unterschiede dabei, die unterschiedlichen Kategorien dabei. Ja, es war alles spannend, aber es sind jetzt, ich gehe sozusagen über diese Frage, was gibt es zu tun? Und ich habe hier dieses Bild von da oder mitgebracht. Das ist einfach. Der Fluss, der ein Grenzfluss ist. Genau. Und das, was du sagst, das würde ich auch voll unterschreiten, dieses Seite A und B, Schwarz und Weiß, Nation und Nation, Deutsch Punch, diese Formate. Die weitergehen, ja auch nicht zu stimmen. Genau, aber vielleicht anfangen mit dem, was zu tun ist. Und für uns war dieses Bild von der Oder deshalb wichtig, weil ja genau der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, auf einmal sind viel mehr verschiedene Menschen wieder über diesen Grenzfluss gefahren. Er rückte uns näher in Berlin auf eine Weise, aber dann auch wieder nicht, weil das alte Problem, dass ganz wenige Menschen, ach, die in Berlin sind eigentlich mal an die Oder fahren oder über die Oder fahren, das ist ein uraltes Problem, das haben wir immer noch. Also diese Kenntnis ist einfach nicht so da oder diese Mobilität, ja, da könnte wirklich immer noch mehr sein. Und 2022 war die oder voller toter Fische. Diese Vergiftung, die da stecken und auch die Medienland in den beiden Ländern nicht so wusste und geguckt hat und wie Und dann ging es wieder mit den Seiten los und die Seite A, die Nation A und die Nation B. Also deshalb war sozusagen dieses Bild von der Oder, die geht in die Breite. Es gibt diese Nebenflüsse, die reichen bis in unsere Städte. Also sich das auch mal zu vergegenwärtigen, dass wir, wenn wir wollten, auch über die Spree irgendwelche Wege finden können. Es ist wirklich, es sind 80 Kilometer, das ist vor der Tür.

00:46:38 Ani

Katharina, du sprichst, also in deiner Dissertationsarbeit verfolgst du ja eine bestimmte these, bei der du Migration als Ressource auch. Ansiehst, also als eine positive Ressource zur Gestaltung der gesellschaftlichen Zusammenarbeit, sage ich mal. Woran, worauf beziehst du dich? Also es ist ja total schwierig, Merkmale für diese Ressourcen zu finden, also kulturelle Merkmale, ohne dass man diesen Vorwurf kommt, kulturalistisch zu sein. Wo würdest du die Unterscheidung machen? Also es ist super schwierig, aber gleichzeitig ist es ein Begleitvorwurf, sozusagen Totschlagargument, wenn man mit kulturellen Merkmalen kommt. Das ist die eine Frage, die ich habe. Und die zweite Frage, die ich insgesamt habe, auch an die ich Julia. Also wie ist es bei euch? Ich habe zum Beispiel postmigrantische Gesellschaft oder dieser Begriff der Postmigration, Postmigrant, Ich verwende das, aber ich hatte am Anfang ein sehr, sehr großes Problem damit, weil ich dachte, weil ich mich selbst als Migrantin überhaupt nicht wahrgenommen habe. Also klar kann man mich schon so verorten, so rein äußerlich, aber so ich habe mich, ich habe mich also bis wir uns kennengelernt haben, dachte ne, also ich weigere mich auch irgendwie, mich als Migrant anzusehen, weil ich okay, ich bin hier, ich lebe hier, ich kann die Sprache. Aber natürlich habe ich die ganzen Hürden, die ich hatte. Die habe ich nur nicht darauf zurückgeführt, dass es ein strukturelles Problem ist, weil ich eine migrantisierte Person bin. Habt ihr diese Gedanken gehabt in Bezug auf Migration?

00:48:32 Katharina

Klar. Und ich glaube, also ich hätte meine Arbeit, glaube ich, nicht schreiben können, wenn ich wirklich, so wie du sagst, so eine these nach vorne bringen wollte. Migration als Ressource. Tatsächlich habe ich gestartet mit dieser Uneindeutigkeit nicht zu wissen, mache ich. Also ich denke, ich bin ähnlich wie du dann unterwegs in dieser Frage wie ist das das, was ich will, Migrantin mich zu nennen, aus welchen Gründen? Genau das habe ich schon sehr stark reflektiert und. Ich glaube, dass diese Migration als Ressource eher eben so ein Gegenspeech ist zu dem Migration als Diskriminierung, weil das so ein dominanter Ausgangspunkt ist, von dem wir immer überall starten, eben dann das Gegenwicht zu sagen, he hey, aber schaut gesellschaftlicher Wandel, es ist positiv Migration zu haben. So habe ich das nicht aufgezogen. Ich habe tatsächlich dieses Fragen und diese Uneindeutigkeit. Eigentlich. Durchzogen und ich weiß auch nicht, was im nächsten Jahr ist oder in zehn Jahren ist sozusagen. Ich muss immer jeden Moment mich neu rekonfigurieren. Und ich glaube, dass diese, wenn man eine Ressource hat, ist es vielleicht dieses Nichtwissen und diese Uneindeutigkeit oder auch die.

00:49:55 Ani

Fähigkeit, immer wieder sich neu zu verorten. Das ist ja auch so ein Tool, dass man sozusagen so ein side Effect Migration zu schauen, dass man sich schnell verorten kann.

00:50:08 Julia

Ja, vielleicht ganz kurz, weil du mich angesprochen hast. Also bei mir hat es ja ganz expliziten Auslöser und zwar die Rückkehr nach Kasachstan und in einem Erwachsenenalter, weil das ist ja das Schöne und das Spezielle bei dir und bei zwischen den Polen. Ihr habt hier halt 80 km von euch ist Polen, ihr könnt die ganze Zeit euch darauf beziehen, wenn ihr wollt. Das ist wirklich erschwinglich. Nach Kasachstan einfach so zurückzugehen war halt nicht möglich und meine Eltern von meinen Eltern nicht gewünscht, deshalb musste ich das als sehr erwachsene Person irgendwann in Angriff nehmen. Und es war war halt so ein großer Akt irgendwie, weil von klein auf irgendwie darauf zugearbeitet, zugefiebert, dass ich mir das halt irgendwie so richtig aufgebürdet habe mit einem großen Projekt, mit einem Film, den ich da gedreht habe. Und dann bin ich ein Jahr später auch noch dahin gezogen und habe da gelebt über zwei Jahre und gearbeitet. In allen Strukturen, auch in auslandsdeutschen Strukturen. Also ich habe für IFA gearbeitet, für das Auslandsinstitut und da aber in einer deutschsprachigen Minderheitenzeitung. Also es war sehr speziell als Redakteurin. Also ich habe das alles kennengelernt. Für mich war halt dieses raus aus Deutschland nach Asien, das ist ein anderer Kontinent einfach und dann und dann bist du nicht mehr in Deutschland, dann bist du nicht mal mehr in Europa und dann merkst du, okay, wir reden hier, worüber reden wir hier eigentlich, was passiert hier, wie weit sind wir von dem entfernt, was Unsere Realität war von vor, weiß nicht einigen Dekaden, in meinem Fall jetzt schon drei Dekaden. Damals waren es zwei Dekaden her. Und das hat das alles so abstrahiert und für mich so empowert, weil ich halt eben diesen Kontinent erlebt habe. Und der war halt auch nicht Russland, Das hatte nichts, also diese Worte von Russland, Deutschland, ich verstehe schon, dass das alles historische Kategorien sind, aber das hat nichts mit einer gelebten Realität von vielen Menschen zu tun. Und deshalb war es für mich sehr, also hat, habe ich für mich da wirklich ganz neue und eigene, sehr selbstbewusste Kategorien formiert. Gleichzeitig habe ich mich in dieser kompletten Arbeit, wo ich da gearbeitet habe, null wieder. Also ich habe da gearbeitet, ich war da in diesen Kreisen, ich habe alles aufgesogen, ich habe alles verstanden und habe gemerkt, okay, jetzt muss ich zurückkommen und meinen Platz da drin finden, weil auch wenn ich da drin bin, ich habe mich nirgendwo gesehen, ich habe nirgendwo meinesgleichen gesehen, also ich muss es so sagen. Und und dann ist Kaze entstanden, also aus diesen ganzen Gedanken und Beweggründen und es ist entstanden mit einer Selbstverständlichkeit, mit einem Selbstbewusstsein. Das habe ich da mitgebracht, das habe ich auch aus Kasachstan mitgebracht. Und das habe ich auch aus einer Entfremdung von Deutschland mitgebracht. Das war sozusagen mein Punkt. Und das habe ich sehr migrantisch verortet. Also da war ich, da war ich so ein Migrant, wie ich nie vorher gewesen bin. Und das zieht sich durch und das zieht sich in unsere Arbeit durch und das zieht sich in Familiengefügen durch. Die Beziehung zu meiner Familie hat sich geändert. Die Beziehung meiner Familie zu ihrer eigenen Migration hat sich dadurch geändert. Also das ist wie so ein großer.

00:53:27 Waldemar

Strom.

00:53:30 Julia

Power, also Energie, ich will jetzt gar nicht so, Energie hört sich so esoterisch an, also ein starker Strom gewesen, der sich dann ehrlich gesagt auch in diese ganzen Bubbles gezogen hat. Und der kam halt nicht von irgendwoher, sondern der kam natürlich. Auch aus einer historischen Perspektive, auch aus Kasachstan, was so eine eigene Geschichte mitbringt, was eigene Neokolonialität aufgearbeitet hat, die da vorherrscht seitens des Russischen Reichs, seitens China. Also da ist so viel Verwobenheit mit drin. Und mit all diesen Fragen, sehr vielen Fragen starteten wir dann deshalb. Der Name auch heißt ja so what the hell, so ungefähr. Also was ist das hier alles Und wie du schon richtig sagst, Katharina, diese Fragen werden ja nicht weniger, sondern mit jeder Krise, mit jedem Krieg, also mit jeder neuen, auch migrantischen. Strömung haben wir neue Fragen, ist das alles neu ambivalent. Und deshalb ist es für mich halt umso fragwürdiger, warum Menschen, die sehr alteingesessene Verbände und Vereine voller Privilegien mit sich bringen, die sie sich hart arbeitet haben. Das weiß ich. Aber warum will man da nicht teilweise so mitmachen, oder? Also man will auch mitmachen, das weiß ich. Wir sind ja zum Beispiel jetzt auch hier in diesem Dialog mit der Ansprechperson in Berlin. Also da gibt es ja schon durchaus auch offene Kanäle, aber nicht immer, nicht überall. Und also wir mussten uns auch hart durchkämpfen, sage ich mal so, um. Dann halt so Gehör zu finden oder auch Kooperation zu finden. Und jetzt sind wir so sechs Jahre später, bin ich froh zu sehen, okay, hey, migrantisch kann jetzt auch in einem russlanddeutschen, sag ich mal, konservativeren Kontext verwendet werden, ohne dass man da so danach angeschrieben wird mit einem Kommentar oder so. Im Gegenteil, die, also man verwendet es jetzt sozusagen so en vogue, also es ist salonfähig geworden, auch in ganz anderen politischen Kreisen. Und das ist natürlich spannend und interessant und ich hoffe nur, dass es dahin führt, dass es zu einem realen Austausch kommt und nicht, ich sag mal, zu so einer Symbolpolitik oder so. Also das sind ja immer so die Fragen, die uns stellen, wenn man aus seiner eigenen Grassroot Initiative kommt, wo man alles mit so einem eigenen. Dampflok Power fahren musste, okay, wird es jetzt einfach nur so adaptiert und verwurstet oder sind es reale Vorhaben, sind es reale Kooperationen? Und darauf hoffen wir natürlich. Und das ist ja auch nur nachhaltig für die, ich sag mal, konsolidierten Player, weil die müssen ja auch ihre Zukunft gewährleisten. Es geht darum, dass bestimmte Strukturen auch demografisch veraltet sind, also bestimmte Verbandsstrukturen und sowas.

00:56:34 Ani

Also es geht um Nachwuchs und es.

00:56:36 Julia

Geht um das Anknüpfen an die Gegenwart.

00:56:39 Waldemar

Genau, Also was ich noch auch anhängen will, bei mir war es so, dass ich erst nach Kanada ziehen musste mit meinen Eltern, um halt als Deutscher dann wahrgenommen zu werden, weil man mich dort dann als Deutscher wahrgenommen hat. Das heißt, ich bin dann auch erstmal woanders hingemüsst, um dann endlich das zu bekommen, was ich beziehungsweise diese Anerkennung, nachdem man als Jugendlicher gesehen hat und die Mentalität ist halt auch anders, weil die Leute sehen sich in erster Linie, wenn sie in den USA oder in Kanada wohnen, ja, wir sind Kanadier, wir sind Amerikaner, aber hey, ich habe polnische Wurzeln, ich habe ukrainische Wurzeln und die feiern das einfach, die stehen dazu. Und ich finde dieser Stolz, den brauchen auch wir zum Beispiel in den russlanddeutschen Community. Also nicht dieses, oh, wir haben nur gelitten, wir sind die Opfer, sondern nein, unsere Vorfahren, das und das gemacht. Ich meine, dieses erste Naturschutzgebiet in der Ukraine, dieses, ich weiß, wie heißt denn das, Asowischer Nationalpark, da wurde ja von Russlanddeutschen diese Familie Falzfeind aufgezogen. Also diese Errungenschaften einfach auch zu zeigen, hey, wir sind ein Teil dieser Geschichte davon. Also nicht nur dieses Leid in Portugal, sondern auch Errungenschaften. Ich glaube, das fehlt was. Da hatte ich auch gestern mit einer Freundin eine Diskussion, weil sie meinte zum Beispiel bei diesen ganzen jüdischen Verbänden, die kennen alle ihre Stammbäume und das erste, wenn sie eine Präsentation oder sowas machen, die erzählen erst mal ihre Errungenschaften aus, was sie alles geleistet haben, wie stolz sie darauf sind und das dann auch weitermachen wollen, also weiter ausbauen. Und ich glaube, das bräuchten wir, um halt auch die junge Leute wieder ins Boot zu holen, aber auch ein bisschen Geschichte nicht nur so langweilig trocken zu erzählen, sondern ich fahr immer dieses Credo make history sexy again, weil Geschichte nicht langweilig ist, sondern es ist total spannend. Und allein die eigene Familiengeschichte ist ja manchmal auch so spannend. Da gibt es ja von verbotener Liebe bis Rebellen des alles, da ist ja wirklich alles vertreten, wenn man weiter rumgräbt. Man hatte immer nur diesen Eindruck, die waren ja alle nur so fromm und brav und keine Ahnung, ne, da war auch alles, da waren auch so Leute, die wollten, weiß nicht, Schauspieler werden oder Künstler, aber aufgrund von Umständen ging es nicht, aber haben halt dann ihre Kinder gehört oder wie gesagt, gegen den Willen den Eltern haben sie halt den anderen Mann geheiratet oder sind durchgebrannt und sowas. Und ich glaube, sowas muss man mehr hervorheben, weil es sind ja so Geschichten, die wir auch sonst in Serien und Büchern halt auch gerne lesen, dass es auch in eigenen Familien vertreten sein kann.

00:58:57 Katharina

Nordamerika ist ja spannend für uns, wie wir da als Folie immer schauen. Also ich hatte so Auswanderungsfantasien, selbst nach Kanada und habe da auch eine ganze Zeit lang verbracht und denke aber, dass wir hier so mitten in Europa ein bisschen. Selbst austarieren, wo wir stehen. Klar, diese Moden auch in der Wissenschaft und so weiter. Wir sind in einer großen Beeinflussung auch. Und. Ich denke aber, wir sind auch gerade irgendwie dabei. Ich will das gar nicht gegen, jetzt habe ich das nordamerikanisch anbegriffen, aber was ich sagen will, ist, dass ich, also als du, Julia, gesprochen hast von dem von eurem Dampflok Engagement der letzten Jahre, da würde ich so sagen, so wir als Initiative, die sehr unterschiedliche Phasen durchgemacht habe. Ja, genau. Wir sind sehr lange dabei und ich finde auch, das ist auch sehr spannend irgendwie zu porträtieren. Aber in dem Moment würde ich sagen, wir können ganz viel von euch lernen, also was sozusagen Vernetzung und. Einschreiten und sichtbar machen betrifft. Also das sehe ich ganz klar so und diese Bündelung sich einfach so Synergien, das wäre toll. Und ich bin auch ziemlich beeindruckt, wie diese Diskussion um antislawischen Rassismus Auftrieb in den letzten Jahren genommen. Das war ja nicht immer so. Und ich denke, das ist schon mal auch für uns eine Riesenchance der intensiveren Vernetzung und. Das tatsächlich in die Institution, auch an den Uni zu bringen. Ich denke, das passiert auch. Aber gleichzeitig sehe ich auch. Dass wir da natürlich auch wieder aufpassen müssen, dass wir uns nicht in dieser Ost Bubble dann sozusagen einrichten zu sehr, sondern für mich geht das immer Hand in Hand mit dieser Frage Migration, weil wir sprechen über mobile viele Biografien und das, was uns daran wichtig ist, finde ich, zur Migration. Verschiedener sozusagen Länder, nicht nur eben aus dem Osten, da müssen wir auch einfach dabei sein. Einfach.

01:01:34 Ani

Ja, da will ich auf jeden Fall anknüpfen. Es geht auch um Deutungshoheiten. Wenn ich jetzt das Beispiel zurück auf Armenien zurückbringe, ich als armenischstämmige Person aus diesem Ostarmenien, es geht um Ostermengen, das in dieser Sowjetunion war. Da gab es ganz viele oder in Deutschland sehr viele alte Verbandsstrukturen, keine Ahnung, der älteste Verband ist 100 Jahre alt oder so. Und die Frage ist.

01:02:01 Katharina

Wie dieser, weil.

01:02:03 Ani

Der Genozid ist so der Ankerpunkt der Diskussion über Armenien in Deutschland immer wieder. Und ich habe gemerkt, dass sozusagen die Perspektive, diese ostarmenische Perspektive vielleicht und die Deutungshoheit liegt nicht unbedingt in dieser neuen Migrationswelle die ganz andere Intersektionen hat, die eine sehr große Rolle dabei spielen, wie man die Folgen des Genozides noch erörtern kann. Und dazu kommt noch, dass die armenische Diaspora ja sehr weit und groß ist und ein großer Teil ist in Osteuropa, also in Polen, in der Ukraine, auf der Krise. In Russland sowieso, aber auch in anderen osteuropäischen Ländern. Und diese Perspektiven kommen überhaupt nicht zur Geltung in der Verarbeitung oder Thematisierung von Ereignissen des Genozides.

01:02:59 Katharina

Und.

01:03:01 Ani

Das finde ich höchst problematisch. Weil da große Teile der Geschichte einfach unsichtbar bleiben. Und der Post Ost Diskurs ist für mich eine Möglichkeit, eben diese osteuropäischen Zugang zu Armenien auszubauen und zu erörtern und auch dieses Thema nicht appropriieren zu lassen. Von bereits vorhandenen Strukturen, die immer wieder das Gleiche sagen und es mir einfach aus den Ohren blutet. Ich kann das wirklich nicht ertragen und auch nicht hören. Und das noch mal so einen Bogen zu schlagen zu Strukturen einfach.

01:03:45 Julia

Ja genau. Also auch da, das hat ja jetzt angeknüpft direkt an Katharinas Aussage, also dass man jenseits seiner eigenen Bubble arbeitet und zwar immer. Also das ist die Basis der Arbeit. Also russlanddeutsche Themen, super, haben wir sozusagen in meiner Person, in der Person von vielen hier Sitzenden auch jetzt gerade zum Beispiel am Tisch vorhanden. Aber aber das ist sozusagen eine Facette und die meisten Russlanddeutschen, das wissen wir ja auch, oder Aussiedler innen haben ja auch sehr viele Mehrfachzugehörigkeiten, also vor allen Dingen die, die aus Kasachstan kommen, aufgrund der ganzen Deportationsgeschichten und Siedlungspolitiken der Sowjetunion und aufgrund der Repression etc. Genau, also das ist sozusagen der Punkt, von dem wir ausgehen. Das war sozusagen für unsere Arbeit ist das sozusagen das Zement der Groschen der Kiel, also dass man OK, das geht so nicht. Es geht nicht in so einer Monoaktion. Und warum ist das auch nur das, was bei der Mehrheitsgesellschaft ankommt? Also auch nur so sehr Bei der Mehrheitsgesellschaft kommt eigentlich ihre eigene Projektion auf diese ganzen Gruppen an. Also es ist wie so ein unendliches Spiegelbild, was sich so reproduziert, da vielleicht so ein bisschen einzuchecken und dann Wir müssen weiter zum Ende kommen, Leute, auch wenn wir jetzt glaube ich, gerade erst so warm geworden sind, aber ich will es noch mal fragen. Also in all unserer Arbeit, wir haben jetzt immer wieder gesagt, dass wir an vorhandene Strukturen anknüpfen wollen bzw. Schon anknüpfen Wie ist denn eure Also habt ihr jetzt schon Zusammenarbeit mit bestimmten Institutionen oder Strukturen, wo ihr sagt ja, wir haben einen Impact drauf? Also wir haben hier schon was anklingen lassen. Also allein schon diese Aufzeichnungen sind ja auch. Zeuginnen dieser Intersektion, also dass man so sich einschreibt, auch langsam in die Systeme, in die bestehenden. Wie ist es bei euch? Katharina Ich habe in eurem letzten Newsletter auch etwas gelesen, dass ihr bei der Erinnerungsstätte Notaufnahme Rienfelde bei einer neuen oder Neukuration von einer schon bestehenden Ausstellung mitmacht. Vielleicht kannst du da uns einen Einblick geben, damit die Zuhörerinnen auch verstehen, wie so was passieren kann, damit so aus unserer Blabla Abstraktion, die wir also damit sie ein Beispiel haben, okay, wie kann so ein Hands on, wie kann man was verändern, was an Strukturen da ist?

01:06:12 Katharina

Tatsächlich ist das so eben ein ganz schönes Beispiel, weil wir. Tatsächlich eine von unseren Mitmacherinnen ist auf uns zugekommen und in einer Lebensphase, wo sie. Gesagt hat, ich möchte tatsächlich über meine Migrationsbiografie mehr in Erfahrung bringen. Und sie ist nach Berlin-Marienfelde zu dem Notaufnahmelager. Gefahren, wo sie selbst mal als Kind mit ihrer Familie war und hat da festgestellt, in dieser ganzen Dauerausstellung ist nicht ein Wort zu tun. Gut, und dann ist sie über Wege so zu uns gekommen. Und dadurch, dass es diese persönliche Geschichte gibt, finde ich, kommt auch die allergrößte Motivation, wenn ich jetzt höre, oh, es gibt in Marienfelde eine neue Dauerausstellung, dass ich denke, toll. Und dass. Halt auch das gegenseitige Interesse da ist, da zusammenzuarbeiten. Es steht jetzt am Anfang. Und wir haben eben dann auch. Diese Anfrage zu Zeitzeuginnen herumgeschickt und das freuen wir uns wahnsinnig, wenn da vielleicht jemand zuhört und und auch was zu erzählen hat. So was beginnt halt durch Verein. Damals war es eben nach der Wende, nach der Wiedervereinigung auch ein Verein, der gesagt Hey, in diesem Museum muss eben dokumentiert werden, was los war. Und das sind ja alle sozusagen, die aus der damals DDR nach Berlin gekommen sind, in West Berlin gekommen sind, dort durchgedacht, aber es waren in den er Jahren wahnsinnig viele Menschen aus Polen. Und. Da jetzt die Geschichten zu hören und in unserer Gruppe zu merken, dass diese Geschichten Lagergeschichten, dass wir dazu sofort losgelegt haben und auch angefangen haben zu schreiben und uns auszutauschen, dass das was Wichtiges ist, einfach das zu spüren. Ich glaube, dass ist die größte. Wie sagt man, Motivation oder. Einfach weiter was zu gestalten.

01:08:28 Ani

Was denkst du, wie entstehen diese Unsichtbarkeiten? Also wie entsteht diese Leerstelle, die eigentlich nicht, die es nicht geben kann, wenn man genau arbeiten und akkurat arbeiten will, hinsteht das. Es ist ein, Ja, ich will jetzt dir keine Spekulationen geben, aber was ist deine Antwort darauf?

01:08:51 Katharina

Große Frage. Also ich könnte jetzt, also an diesem konkreten, konkreten Beispiel meinst du? Ich denke, dass es tatsächlich. So ein bisschen das Natürliche ist, was passiert. Es gibt bestimmte Vernetzungen, es gibt bestimmte Strukturen, da tut sich ein Verein auf, gestaltet etwas und es braucht ja immer mehr Dialog, es braucht immer mehr diesen Austausch. Es braucht eine ganz große Lebendigkeit. Da müssen durch so ein Museum sehr unterschiedliche Menschen gehen und einer muss laut aufrufen, hey, ich war auch da und so weiter. Und es passiert aber oft nicht so, dass man so schnell so forscht und so selbstbewusst sich zu Wort meldet, weil man erst mal langsam vielleicht auch für sich sortieren muss oder wie auch immer oder vorsichtig ist und so weiter. Und dann ist einfach dieses schreckliche Gefühl, es vergeht immer so viel Lebenszeit, bevor irgendwie was passiert. Und da würde ich auch sagen, hey, je lebendiger, desto besser, je mehr Austausch, desto besser. Je mehr unterschiedliche Gruppen sich kreuzen und sozusagen im Gespräch, wenn man das schafft. Und ich glaube, man kann viel mehr schaffen.

01:10:02 Ani

Auf jeden Fall.

01:10:04 Katharina

Also. Unsichtbarkeiten sind. Wir brauchen da gar nicht auf große Einheiten zu gucken von Staaten oder Gesellschaften oder auch Stadtgesellschaften, sondern. In der Nachbarschaft und so weiter. Es ist immer jemand unsichtbar.

01:10:22 Ani

Ja, es ist auch eine Frage der Awareness sozusagen, nicht nur auf Sicht. Und das ist auch, ich glaube, die größte Herausforderung bei dieser Arbeit ist es, immer wieder von sich wegzusehen, sich nicht zum Zentrum seiner Arbeit zu machen, sondern zu schauen. Natürlich ist es ein Anhaltspunkt insofern, als dass man an sich selbst oder an seiner eigenen Geschichte schauen kann, kann, okay, wie, welche Fragen stelle ich, wie formuliere ich sie? Aber im Weiteren muss es heißen, wie schafft man analoge Frageräume, Dialogräume. Und wenn man es mal schafft, sich selbst nicht mehr zu sehen und sich nicht mehr zum Zentrum der Welt der anderen zu machen, dann kann man vielleicht auch so eine Form der Awareness schaffen. Wo jemand irgendwie sagen kann, okay, ihr habt mich vergessen, das muss ja auch einen Raum dafür geben.

01:11:14 Katharina

Ich stimme dir vollkommen zu. Ich, ich finde genau das ist das große Kunststück. Aber gleichzeitig. Wenn ich mich ganz rausnehme, dann bin ich auch auf eine gewisse Weise unsichtbar. Self Awareness gehört auch dazu. Das sind so Fragen von Balancen.

01:11:31 Ani

Ja, genau. Also ich meine diese, also das, was ich gerade gesagt habe, dass man sich irgendwann vergisst, ist eher, dass man genug über sich auch dann geredet hat, dann so down geht es, dass man dann diesen Raum geöffnet hat, aber den muss man auch freigeben geben, damit der weiter befüllt werden kann.

01:11:51 Julia

Vielleicht ganz kurz zum Abschluss noch, damit Wald immer noch kurz zu Wort kommt, auch in diesen Fragen, Wie siehst du das mit diesen neuen Resonanzräumen, die ja auch durch sowas geschaffen werden, also wie jetzt zum Beispiel eure Kooperation. Wo siehst du da das Potenzial bei den, also bei deinem Untersuchungsobjekt, die Russlanddeutschen? Also wie siehst du da aus? Vielleicht die Möglichkeiten, die Potenziale. Vielleicht auch dahingehend, also auf so einen Generationenvertrag.

01:12:26 Waldemar

Ja, also allein bei uns im Club jetzt mit Riwwwel und “Warum бы и nicht”, Ich meine, wir haben diese Brücken geschaffen, wie zum Beispiel nach Argentinien, dass wir da mit diesen Nachfahren Austausch kommen, was dann auch wieder für Interesse ist, so dann auch erstmal so verlorene Verwandten da, wie ging es dann denen und so, aber auch so dieses Interesse dann auch so wie zum Beispiel auch, dass viele jetzt uns im Rival auch erst vor wenigen Jahren jetzt aus Russland oder Ukraine oder dazugekommen sind und dann auch diesen Austausch zum Beispiel, ja, wie seid ihr so aufgewachsen hier so oder für die ist dann hochspannend dann zum Beispiel zu erfahren, wie bin ich hier aufgewachsen oder was ist dann so, oder kennt man irgendwelche gewissen Eigenheiten wie Chiboraschka oder sowas, ob wir es auch kennen hier in Deutschland und so, dass wir halt so Brücken geschaffen haben, so einfach einen Raum für den Austausch, was davor, glaube ich, so ein bisschen gefehlt hat, dass die jüngere Generation an den Tisch kommen kann und auch jetzt über ihre Geschichte erzählen kann. Also nicht nur die Geschichte der Migration der Eltern, sondern wie sind wir hier aufgewachsen, was haben wir erlebt oder was ist unsere Geschichte? Gleichzeitig aber auch die Brücken zu unserer Geschichte zu schlagen, dass wir auch, wir haben ja Verwandte in den USA und Kanada und alles mögliche, aber halt auch im Osten sind viele noch geblieben und so, dass wir wirklich so Brücken schaffen und halt auch so Konzepte, dann nicht nur so trockene, langweilige Vorträge, ich meine, die sind ja irgendwo auch wichtig und richtig, aber das Auflockern, dass wir so mit Quizshows machen, sondern mit solchen Fun Facts raushauen. Das Beispiel Pamela Anderson ist auch eine Russlanddeutsche. So und dann sind alle so was so wie jetzt und dann sagst du ja, ihre Großmutter ist so und so und so und dann sind alle, wow, krass. So und dann hat man die Leute gleich so auf dem Boden, weil du nicht da stehst Und wie schon vorhin gesagt, ja, wir reden hier über Krieg und Drama und bla.

01:14:11 Julia

Kannst du dir das vorstellen, die andere Generation, die jetzt auch bestehend, also irgendwie zum Beispiel LMDR Verbände oder auch andere Russlanddeutsche oder Aussiedlerverbände, Vertriebenenverbände. Kannst du dir das vorstellen, dass das fusioniert oder passiert? Das könnte, wenn zum Beispiel in Berlin, also dass man sich sozusagen, dass es da Dialoge gibt.

01:14:31 Waldemar

Ich hoffe mal, dass es, also wenn die Leute aufgeschlossen sind dafür, denke schon, dass es auf sehr fruchtbaren Boden kommt, weil es dann wirklich was Frisches ist, was Neues, was auch die jungen Leute dann mehr bewegt, sich dann auch in diesen Verbänden zu engagieren, weil ich glaube, das ist eher das Problem, dass die jungen Leute alle wegbleiben und das alles so eher so stiefmütterlich und was will ich damit mit diesen ganzen altbackenen Krimskrams, sondern wirklich mit solchen Sachen anlocken kann. Aber da müssen halt auch diese alte Strukturen bisschen offener sein dafür, dass wir halt dann auch so was reinbringen können. Ich glaube, da ist also da ist.

01:15:03 Julia

Luft nach oben, da ist noch Potenzial.

01:15:05 Waldemar

Da ist also sehr viel Potenzial eigentlich da.

01:15:08 Ani

Das war ein prima Schlussplädoyer.

01:15:12 Julia

Vielen Dank, dass ihr da wart. Danke für eure Zeit und entschuldigt unsere technischen Probleme, die wir hatten, die jetzt hoffentlich in der Aufnahme nicht mehr da sind. Und danke, dass ihr zugehört habt. Bitte, wie immer, liked uns, folgt uns, schreibt ganz positive, tolle Bewertungen und folgt unseren Gästen und ihrer Arbeit und schreibt auch gerne Kommentare oder auch Briefe, wenn ihr was dazu mitteilt wollt zu dem Thema jetzt und bleibt dran, unterstützt uns. Vielen Dank.

01:15:45 Ani

Ciao. Dankeschön.

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